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Exakta - Die erste Kleinbild-Spiegelreflex-Kamera kam aus Dresden

1933 ist das Geburtsjahr der Exakta. Die Ihagee Werke des Niederländers Johan Steenbergen in Dresden entwickeln eine völlig neuartige Kamera. Zum ersten Mal wurde das Spiegelreflex-Prinzip, bei dem das Aufnahmeobjektiv zugleich auch das Mattscheibenbild im Sucher entwirft, in einem Fotoapparat im Kleinformat verwirklicht.

Die vergleichsweise sehr kompakte Kamera benutzt den verbreiteten 127er Rollfilm für das Bildformat 4x6,5 cm. Die Kamera arbeitet mit einem Schlitzverschluß und hat auswechselbare Objektive. Konstrukteur dieser Neuentwicklung ist Karl Nüchterlein. Anfangs nur in einer Version (Modell A) erhältlich, wird die Lieferpalette schnell erweitert. Modell B erhält eine erweiterte Belichtungszeitenreihe von 12 (!) bis 1/1000 sec. Ein preiswertes Modell "Junior" ist einfacher ausgestattet und ohne Wechseloptik; das Spitzenmodell „Nacht“-Exakta wird mit lichtstarken Objektiven geliefert.

Der Ruf nach einer Kombination dieser technischen Meisterleistung mit dem immer beliebteren 135er Kleinbildfilm (Leica-Film) bleibt nicht lange ungehört. Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1936 wird die „Kine Exakta“ mit einer dem Modell B weitgehend entsprechenden Ausstattung vorgestellt. Schon nach einem Produktionsjahr wird die „Kine“ zur Exakta und die bisherige Modellreihe A, B usw. rückt mit dem Zusatz „Standard“ ins zweite Exakta-Glied, bleibt aber bis 1939 weiterhin im Fertigungsprogramm.


Die Konstruktion der Exakta war bei ihrer Vorstellung 1936 derart ausgereift, dass sie bis zur Produktionseinstellung nahezu 30 Jahre nur geringfügig verändert wurde. Dem Einzug der Elektronik in die Kameratechnik in den 60er Jahren konnte die Exakta allerdings nicht mehr Paroli bieten. Mit dem Modell VX 500 verschwand im Jahr 1971 eine Kamera vom Markt, die für alle Spiegelreflexmodelle zum Vorbild wurde.

Die Zahl der verschiedenen Exakta Modelle ist trotz der langen Bauzeit überschaubar. Es gibt allerdings innerhalb der Baureihen Varianten und Abweichungen im Detail. Auf meinen Exakta-Seiten finden Sie viele Informationen zu den verschiedenen Baureihen und Modellen der Exakta und deren Zubehör. Die Seiten werden nach und nach ergänzt. Es lohnt also, hin und wieder hereinzuschauen.

Übersicht der Exakta Baureihen

Auch Nachfolgemodelle der Exakta und die "kleine Schwester" Exa finden sie demnächst auf meiner Seite. Falls ein Link noch nicht funktionieren sollte, bitte ich um Nachsicht. Sie kommen dann mit der "zurück"-Funktion Ihres Browsers auf die zuletzt besuchte Seite zurück und können von dort aus weiter navigieren.

Exakta Briefmarke

Betrachter meiner Schätze zeigen manchmal Unverständnis: „warum hast Du davon so Viele, die sehen doch alle gleich aus?“ Gerade das – so zumindest empfinde ich es – ist das Besondere des Exakta-Systems. Zu ihrer Zeit ausgereift und ohne echte Konkurrenz, lag darin später der Grund für den Niedergang dieser einst so stolzen Kamera.
Wenn Stillstand Rückschritt bedeutet, dann ist das Exakta-System Synonym dieser Erkenntnis. Ob damit zugleich das Bessere zum Feind des Guten wurde, ist hingegen eine ganz andere Frage. Die beantwortet sich hin und wieder auf unerwartete Weise, wenn man mit einer klassischen Exakta zu besseren Fotoresultaten kommt, als jemand mit einer hochmodernen Digitalausrüstung...

Es dürfte nicht sehr viele Kameras mit einer eigenen Briefmarke geben. Hier eine Exakta Varex VX auf einer Briefmarke zur Leipziger Messe 1955.

Das mag vielleicht auch nur etwas mit der Arroganz zu tun haben, mit den in Zeiten der „richtigen Fotografie“ erworbenen Fertigkeiten nicht auf die Multi-Automatiken bei dem „neumodischen Kram“ angewiesen zu sein (oder ist es doch Besserwisserei?). Andererseits erklärt solch pseudophilosophische Fotobetrachtung nicht das Interesse am Exakta-System auch jüngerer Sammler, denen die Exakta zu ihren Lebzeiten noch gar nicht begegnet sein konnte.

Bei mir sind die Ursachen aber eindeutig historisch begründet, wie ich an anderer Stelle me and my Exakta etwas umfangreicher ausführe. Hier deshalb nur eine ergänzende Bemerkung.
Zu Beginn der 60er Jahre begann mein Amateurfotografendasein mit dieser feinen Kamera gerade zu einer Zeit, als sich die Endzeitstimmung schon über sie ausbreitete. Dessen war ich mir aber noch nicht bewusst. Die Vielfältigkeit der Exakta faszinierte mich. Als ich 1970 im Kaufhof eine ELBAFLEX mit einem Schneider Xenon 1,9/50 als Sonderangebot für 198 DM erwarb, glaubte ich noch das Schnäppchen meines Lebens gemacht zu haben. Dass bereits bessere Kameratechnik verfügbar war, bemerkte ich bald an den Macken dieser „Weiterentwicklung“.

Mein Widder-Dickkopf ließ mich aber noch einige Zeit an der Exakta festhalten. Immerhin hatte ich väterlicherseits so viel Fotopraxis mitbekommen, dass meine fotografischen Ergebnisse mit Exakta IIb, Exa IIb und Elbaflex immer noch besser waren als diejenigen meiner Altersgenossen mit aktuellen Japanern. Erst Mitte der 70er Jahre rang auch ich mich zu einem Wechsel zu einer OMI durch.

Die in den frühen 80er Jahren erwachte Sammelfreude war zunächst eher nostalgisch geprägt. Mit den Jahren kam dann mehr und mehr der Wunsch hinzu, auch sammlerisch zu dokumentieren, warum die deutsche Kameraindustrie trotz ihres zeitweilig großen Qualitätsvorsprungs an der japanischen Konkurrenz scheitern musste.

Damit soll es hier genug sein der Erklärung „warum ich Exakta sammmle".

Posted 2008/02/24; last updated 2009/10/14 Copyright © 1991-2009 by Horst Neuhaus