Herzlich Willkommen zur Vorstellung der Exakta Varex IIa bei Photo but More.
Die Exakta Varex IIa war (mit 5 unterschiedlichen Modellen zwischen 1956 bis 1963) technisch die beste Exakta, die das Ihagee Werk in Dresden je verlassen hat. Diese Baureihe hat einen nie zuvor und danach je wieder erreichten Qualitätsstandard von beinahe Leica-Präzision. Verschlussablauf, Spiegelschlag, vor allem aber das kaum hörbar ablaufende Langzeitwerk erfreuen jeden Freund feinmechanischer Fotobaukunst. Keine andere Exakta arbeitet mit dieser Präzision. Einziger Makel der Kameras aus dieser Zeit sind heute die Verschlusstücher. Bei nahezu jeder IIa ist zumindest das zweite Tuch spröde oder gar unbrauchbar.
Manche mehr oder weniger merkwürdige Stories ranken sich um die Exakta Varex IIa, die 1956 als Nachfolgerin der altgedienten VX vorgestellt wurde. Unbefangene Zeitgenossen kommen schnell zu einer klaren Aussage, wenn man sie ob dieser Typenangabe um ihre Meinung fragt – was denn, das Nachfolgemodell der Varex II, oder? Denkste – es gab gar keine Exakta Varex II, oder vielleicht doch?
Da stellt doch Richard Hummel in seinem Standardwerk „Spiegelreflexkameras aus Dresden“ unter Nr. 022 das Modell „Varex“ mit einer Produktionsstückzahl von 7.737 Stück vor. Mancher Sammler rätselt seither um diese „Varex 56“ – gelegentlich auch als 4.Modell der VX mit 3 Synchrobuchsen bezeichnet. Jahrelang hat er vergeblich nach dieser Version Ausschau gehalten. Verständlich - es gibt sie nämlich ebensowenig wie die Hummel'sche Exakta Varex Modell 1951! Tatsächlich existieren aus diesen Jahren zwar etliche Exakta Kameras mit dem Typenschild des 1950er Varex-Urmodells und 3 Blitzgravuren (M F X) statt der ursprünglichen zwei (V E). Wer sich jedoch die Mühe macht, nach der Fabriknummer unter der Rückwand zu schauen, erfährt nach einem weiteren Blick in eine Fabriknummerntabelle schon mehr. Dort finden sich nämlich Fabriknummern aus den Jahren 1938 bis 1954 als Folge des Ihagee-Umbauangebotes für alte Exaktas.
Nicht wenige Exakta-Fotografen nutzten nämlich dieses Umbauangebot, um ihre nicht mehr ganz taufrische Exakta in das aktuelle IIa-Modell umrüsten zu lassen. In der Tat war diese Exakta qualitativ die beste bislang angebotene (wenn man einmal die miserablen Verschlusstücher außen vor lässt, doch das wusste damals ja noch Keiner....). Alle diese Exakta’s behielten ihre Ursprungs-Nummer, wurden jedoch mit Technik und Outfit der aktuellen Varex IIa ausgerüstet. Ganz alte Gehäuse aus der Kine-Zeit tauschten die Ihagee-Umbaumonteure einfach aus und gravierten die alte Nummer ein. Jüngere (etwa aus den Jahren 1950 bis 1955) versahen sie mit einem neuen Innengehäuse und aktuellen Bedienelementen. Alle diese Werksumbauten erhielten die nebenstehend abgebildete "Varex"-Frontplatte.
Frontplatte einer Umbau-Exakta aus den Jahren 1956/58 (Bild links, s. Text).

Meine früheste "Varex" ist derzeit eine Kine mit der Nummer 558.445, noch mit dem originalen 2,8/5cm Schneider Xenar aus dem Jahr 1938 bestückt (Bild rechts).
Mir sind auch Umbauten mit noch früheren Fabriknummern bekannt.
Nun, so erklärt sich zwar das Auftauchen immer neuer Varex-Varianten, nicht jedoch die Hummel’sche Version 022. Dies ist eine völlig andere Geschichte, von der manch alter Ihagee’ler noch zu erzählen wusste. Auch Richard Hummel kannte sie, verschwieg sie in seinem Buch jedoch aus vielleicht nachvollziehbaren Gründen.
Mitte der 1950er Jahre wurde bei der Ihagee ein Nachfolger der in die Jahre gekommenen Varex VX vorbereitet. Auch dieses Varex-Folgemodell in drei Versionen war ja eigentlich nur eine etwas weiterentwickelte Varex. Modell 1951 nannte Richard Hummel denn auch die manchmal als 3. Varex bezeichnete Kamera. Dass dieses Modell nie aufzufinden war und ist, liegt einfach daran, dass es sich tatsächlich um die erste Varex VX-Version handelt ...
Was lag also näher, als das technisch und qualitativ überarbeitete Modell jetzt Varex II zu nennen? Man ließ sich jedoch mit der Neugravur von Frontschildern etwas Zeit. Und das hatte in der von marktwirtschaftlichem Denken scheinbar befreiten DDR eine tiefere Ursache.
Gleichzeitig bastelte auch die Mannschaft um Siegfried Böhm bei KW Dresden an einer Nachfolgerin der Praktina FX, die bei Ihagee damals (nicht ganz zu Unrecht) als echte Konkurrenz empfunden wurde. Ob Werksspionage oder nur sozialistischer Gedankenaustausch – jedenfalls erfuhr man in der Ihagee von Plänen, die Neue „Praktina IIa“ zu taufen. Und das ging ja nun wirklich nicht – von Ihagee gab es „nur“ ein Modell II, während die Konkurrenz eine IIa anbieten konnte! Also wurde einfach das Modell II übersprungen und gleich die IIa angeboten, das schaffte man sogar noch etwas früher als die KW-Kollegen.
Offiziell wurde die oben beschriebene Version der Namensgebung der Exakta Varex IIa nie verkündet oder bestätigt. Doch hat man mir im Dresden der Nachwendezeit diesen geschichtlichen Ablauf glaubhaft versichert. Vielleicht fänden sich für ein paar weitere „Fehler“, die mit etwas Wissen in Richard Hummels Buch zu finden sind, ähnliche Erklärungen. Es gibt allerdings keine Zeitzeugen mehr, die man darob befragen könnte.
Innengehäuse der Exakta Varex IIa. Das obere Bild zeigt die 1962 geänderte Version. Im unteren Bild sehen Sie die etwa seit Anfang 1956 gebaute Ausführung. Mit dieser Änderung wurde zugleich auch das Gußgehäuse der Exakta verändert.
Doch halten wird uns bei der Klassifizierung der Exakta Varex IIa – Baureihe an die Fakten. Mit über 180.000 Exemplaren war sie das meistgebaute Exakta Modell. Doch was heißt hier Modell? Keine andere Exakta hat während ihrer Bauzeit solche Veränderungen erfahren wie die IIa. Dies betraf zwar weniger die Technik, die sich bei der Exakta ohnehin nie bedeutsam änderte, als vielmehr das Design.















Schon die Frontplatte der 3. Version mit dem geprägten „Exakta“-Schriftzug verführte irgendwann einen Sammler zu der Namenskreation „Jubiläumsmodell“. Doch stimmen hier Wunsch und Wirklichkeit nicht überein – die „Jubi“ gab’s erstmals 1958, minus 25 Jubeljahre macht 1933. Die Kine kam aber erst 1936 in die Läden. Dennoch hat sich der Name "Jubiläumsexakta" für diese Version in Sammlerkreisen verbreitet. Auch mit den späteren Streifensuchern (1961) wird gelegentlich versucht, nachträglich Jubiläum zu feiern. Diese mutieren dann und wann zu „Jubiläumssuchern“ – zeitlich zwar korrekter aber sachlich ebenso falsch.
Noch ein kurzer Seitensprung zu den Geschichten. Eine davon will die schlechte Verschlusstuchqualität der Exakta Varex IIa erklären: In den 1950er Jahren waren die Handelsbeziehungen zwischen West- und Ostdeutschland – im Westen sprach man von „Interzonenhandel“ - noch nicht solchen Restriktionen unterworfen wie in der Zeit nach dem Bau der Mauer (1961). So bezog auch die DDR damals nicht wenige Produkte und Halbfertigerzeugnisse aus dem Westen Deutschlands. Hierzu sollen auch die Gummitücher für die Exakta-Verschlüsse gehört haben ... So erklärte mir der eine oder andere Ihagee-Mitarbeiter dieser Jahre jedenfalls deren schlechte Qualität. Gegen den Wahrheitsgehalt solcher Erzählungen spricht, dass auch die Verschlusstücher der ersten Kameras des Modells IIb bis 1964 nicht besser waren. Es sei denn, man hatte bei Ihagee mit Weitsicht eingekauft (und die Tücher dann vielleicht falsch gelagert ;-).
So sieht das zweite Verschlusstuch bei fast allen Exakta's aus der Zeit zwischen 1956 bis 1964 aus. Dieses gehört eher noch zu den Besseren, weil (noch) lichtdicht. Oft ist die Gummierung teilweise oder ganz abgelöst. Manchmal hilft noch ein Einreiben mit Talkumpuder, meist aber nur der Austausch, falls die Kamera noch bestimmungsgemäß verwendet werden soll. Als Sammler kann man auch mit defekten Tüchern leben; der Verschlussablauf leidet vielfach nicht darunter soweit die Tücher nicht verklebt sind (kommt vor, wenn jemand mit Öl daran herumgewerkelt hat). Immerhin dokumentiert eine derartige Exakta den Originalzustand - und um den geht es auch manchem Sammler!
Zum richtigen Jubiläumsjahr der Exakta wurde dann die Exakta Varex IIa Modell 1961 vorgestellt. Zwar mit neuem Typenschild aber technisch weitgehend unverändert, zudem schon im Vorjubiläumsjahr 1960 ...
Insgesamt lassen sich fünf Versionen der IIa mit mehr oder weniger erkennbaren Unterschieden feststellen, der Einfachheit halber „Modelle“ genannt. Wer einen anderen Maßstab anlegt und die VXIIa-Exportversionen eigenständig sieht, kommt auf die doppelte Zahl. Richard Hummel beschreibt in seinem Buch nur vier, Aguila / Rouah in ihrem Standardwerk 8 Versionen, Es ließen sich noch einige Unterschiede mehr finden, vor allem wenn man sich mit den verschiedenen Front- und Deckplattengravuren beim Modell 4 befasst. Doch der besseren Übersicht halber haben sich die Sammler auf 5 Modelle der IIa geeinigt, die auch von Klaus Wichmann in seinem Buch beschrieben werden.
Wer es noch ein bisschen differenzierter mag, kann die Exakta Varex IIa noch in zwei unterschiedliche Versionen aufteilen, die sich durch ihre Frontschilder unterscheiden:
Produktionszeit![]() | ![]() | ![]() | ![]() |
Version 1a (glatt) | Version 1b (stufig) | ohne Verschlusszeit 1/150s. |
Produktionszeit
Produktionszeit
Produktionszeit 9/1960 bis Anfang 1962
Variante a
ab 943.117 Gravur „Mod. IIa“ auf dem rechten Gehäusedeckel
Variante b
US - Exportausführung mit ein- oder zweizeiliger Frontschildgravur
Zufall? Im Katalog der EXAKTA CAMERA COMPANY, New York, aus diesen Jahren wird ausführlich eine Exakta mit dem brandneuen Isco-Mat LM-Objektiv 1,9/50 mit gekuppeltem Belichtungsmesser vorgestellt.
Möglicherweise wurden für diese zu einem Preis von $369,50 angebotene Kombination einige Gehäuse mit dem Frontschild des Modell 4 umgerüstet. Ob es sich tatsächlich um eine Liefervariante im angegebenen Produktionsnummernbereich handelt, wird sich herausstellen wenn evtl. weitere Kameras auftauchen.
Das Objektiv mit dem Aufsatz-Nachführbelichtungsmesser ist baugleich auch als Schneider Xenon angeboten worden.
Über diese Objektivserie erfahren Sie mehr bei den TTL-Suchern und (später) auch auf den Objektivseiten.
Abbildung aus dem Katalog "EXAKTA PAGEANT" der EXAKTA CAMERA COMPANY, New York.
Der Unterschied zwischen den Modellen 4 und 5 der Exakta Varex IIa besteht in der Halterung bzw. Auslösung des Reflexspiegels. Daraus leitet sich auch die Sammlerbezeichnung des Modells 5 ab.
Die damit einhergehende Änderung des Innengehäuses wird erst nach der Demontage sichtbar (s. Vergleichsbilder weiter oben).
Auf dem Bild ganz links erkennen Sie den abgeschrägten Bolzen, mit dem der Spiegel bei der Exakta seit Kine-Zeiten in der Betrachtungsstellung festgehalten wurde. Anfang 1962 wurde diese Aufgabe von einem auf einer Achse beweglichen Haken übernommen.
Die veränderte Konstruktion sehen Sie auf dem nebenstehenden Bild. Zunächst blieb noch ein leeres Loch im Spiegelgehäuse, das erst mit dem Übergang zur Exakta Varex IIb geschlossen wurde.
5. Modell
EXAKTA Varex IIa, Spiegelauslösung mit Haken
Produktionszeit Anfang 1962 bis 8/1963
Produktionsnummern 977.203 – 1.005.697; Stückzahl nicht bekannt (etwa 30.000)
Ausführung
der bisherige Haltebolzen für den Spiegel wird von einem drehbaren Haken abgelöst. Neuer Griffknopf für den Stift der Rückwandverriegelung. Beim Innengehäuse wird der linke Gehäusedeckel jetzt auf einem Abstandsbolzen mit dem Gehäuse verschraubt („Änderung“ gem. Ihagee-Teileverzeichnis, s. Vergleichsfotos weiter oben). Die Frontschildbeschriftung ist jetzt durchweg zweizeilig mit „Varex IIa" bzw. „VX IIa“ -Gravur.
Preise – lt. Preisliste März 1963
Gehäuse ohne Objektiv DM 396,--
Mit Domiplan 1:2,8/50 mm, vollautom. Druckblende DM 480,--
Mit Jena T 1:2,8/50 mm, vollautom. Springblende DM 586,--
Mit „D“ (Domiron) 1:2,0/50 mm, vollautom Druckblende DM 656,--
Mit Jena Pancolar 1:2,0/50 mm, vollautom. Springblende DM 691,--
Mehrpreis für Messlupe (anstelle der Mattlupe) DM 36,--
Prismeneinsatz mit Messlupe DM 136,50
Im Bild rechts sehen Sie die Exakta Varex IIa Mod.5 (Nr. 983.466) in einer Luxusversion mit dunkelbraunem Rentierleder und dem seltenen Hochleistungsobjektiv Domiron 2/50 (6linsiger Gauss-Typ) von Meyer Görlitz.
Frontplattenvariante des 5. Modells
979.973 Frühe Produktionsnummer einer Varex IIa Mod. 5 mit rot ausgelegter Frontplattenbeschriftung.
Anders als bei der unter 4b genanntenn Variante 970.878 mit gleichfalls roter Frontplattenbeschriftung ist bei dieser Kamera auch die Pfeilmarkierung auf der Deckplatte rot ausgelegt.
Überdies sind auch alle vier Color-Film-Gravuren im Film-Merkring in roter Farbe. Üblicherweise sind jeweils die beiden äußeren Marken C und NC schwarz (für Color-Tageslichtfilm). Seltsam - eine Laune der Ihagee oder ein nettes Bastlerstück?
Mehr zu den Herkunftsbezeichnungen “U.S.S.R. OCCUPIED” oder “GERMANY U.S.S.R. OCCUPIED" der in die USA exportierten Kameras erfahren Sie bei der Vorstellung der Exakta Exportmodelle. Man findet diese anfangs noch als Stempel auf dem Bodenleder. Ab etwa 1960 wird die Angabe in das rechte Deckblech eingeätzt. Bei einigen Kameras des Modells 3 (Jubi) und der oben beschriebenen Exportvariante des Modells 4 findet sich die Kennzeichnung als Prägung im Bodenleder. Der Stempel oder die Ätzung sind oft nicht vollständig, verwischt oder unleserlich.
So - nun haben Sie sich mit mehr oder weniger Mühe durch die Vielzahl der IIa-Versionen durchgekämpft. Wollen sie alle Varianten in die Vitrine stellen, brauchen Sie viel Platz! Es dürften so an die 50 Kameras zusammenkommen, zu deren Unterscheidung Sie schon einige Geduld aufbringen müssen. Zur Erleichterung habe ich die Unterscheidungen noch in einer kleinen Tabelle zusammengestellt, die Sie hier finden.
Wer bei der Zusammenstellung seiner Vitrinenstücke auf Originalität Wert legt, findet bei der Exakta Varex IIa die größte Auswahl an Objektiven. Auch für die Sucherbestückung gibt es reiche Auswahl. Während der IIa-Bauzeit kamen sowohl der alte Lichtschachtsucher (mit dem dicken Glasklotz), wie die 1961er Neuschöpfungen in diversen Varianten zum Einsatz.
Der Prismensucher wurde für die IIa erstmals mit 2 Lederstücken versehen. Zum 1958er Modell gab es eine passende Version mit geprägtem "Ihagee"-Schriftzug und für die Modellversionen 4 und 5 finden sich weitere Stücke aus der 1961 umgestalteten Ausführung. Dazu kommen noch die Ihagee-West-Ausführung aus Frankfurter Fertigung und der Köhlersucher. Für kein anderes Exakta-Modell existiert eine derartige Ausstattungsvielfalt.
Das zuvor Beschriebene gilt wie immer für Anhänger von zeitlich passenden Bestückungsausrüstungen. Der Praxis-Exakta ist es egal, welches Objektiv und welche Suchervariante in ihr steckt.
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